Geschichte

Der Fluss Murg im Süden der Stadt Frauenfeld war 1831 entscheidend für die Standortwahl der Walzmühle. Schon im Mittelalter für die Energieproduktion genutzt, sah auch der Gründer der Walzmühlegesellschaft, Josef Anton Müller, am Flussufer der Murg den idealen Standort für seine Mühle. Der damals in Warschau wohnhafte, ehemalige Hofrat des russischen Zaren und Müllereibesitzer, der im Sommer 1831 auf Grund politischer Unruhen dazu gezwungen wurde, in die Heimat zurückzukehren, hatte eine Vision: eine Mühle mit einem völlig neuen Mahlverfahren. Anstelle von zwei flach übereinander liegenden Mahlsteinen sollten gegeneinander laufende Stahlwalzen mit feinen Rillen das trockene Korn mahlen. Seine Reise in die Heimat nutzte er, um Investoren für seine Vision zu gewinnen, so dass er bald nach Gründung der Walzmühlegesellschaft das schlossähnliche, fünfgeschossige Müllereigebäude mit zwei Seitentrakten errichten konnte.

 

Als Josef Anton Müller 1833 unerwartet starb, war das Fabrikgebäude gerade fertiggestellt, der Murgkanal ausgehoben, das 24 PS starke, eiserne Wasserrad montiert – doch die Walzenstühle, in denen das Mahlgut zwischen rotierenden Walzen aufgebrochen und zerrieben werden sollte, funktionierten nicht. Dem technisch gewandten Fabrikdirektor und Aktionär Johann Jakob Sulzenberger gelang es, die Walzen entscheidend zu verbessern und er rüstete die Fabrik um. Das Resultat war für jene Zeit sehr fortschrittlich: zwei Walzwerke produzierten pro Stunde 500 kg Mehl. 100 Personen fanden dadurch eine Beschäftigung. Der Erfolg war jedoch nur von kurzer Dauer, denn eine Missernte im Jahr 1847 legte die Mühle lahm. In Folge dieser kam es 1848 zur Liquidation der Walzmühlegesellschaft sowie zu einem Besitzerwechsel. Die Mühle wurde bis ins Jahr 1872 weitergeführt. Nach einem fünfjährigen Leerstand mietete sich eine Schnupftabak-Fabrikation von 1877 bis 1904 in die Walzmühle ein.

Die Selbstständigkeit des Kantons Thurgau, dessen Hauptstadt seit 1798 Frauenfeld ist, führte dazu, dass Anfang des 20. Jahrhunderts die alten Handels- und Gewerbeeinschränkungen aufgelöst wurden. Diese fortschreitende Liberalisierung förderte die Industrialisierung entlang der Murg und so erhielt auch die Walzmühle neuen Aufschwung: 1917 fand die Aluminiumwarenfabrik Ferdinand SIGG, die 1936 von der Alu Menziken AG übernommen wurde, dort ihr neues Geschäftsdomizil. Bis 1995 stellte die Firma in der Walzmühle mit Turbinen-Antrieb ihre bekannten Trinkflaschen sowie Kochgeschirr und Elektrogeräte her und baute weitere Gebäude für die Aluminiumwaren-Fabrikation auf dem historischen Areal. Infolge der Verlegung in einen benachbarten Neubau wurde das Walzmühle-Areal mit insgesamt 2,6 Hektaren Fläche und den bestehenden Gebäuden 1995 von der Walzmühle Immobilien AG übernommen. Inmitten der historischen Umgebung realisierte die neue Besitzerin auf dem Areal einen eigenständigen Ort: kleinere Betriebe und Lagerflächen sowie Wohnlofts im nördlichen Teil entstanden im Jahr 2000 mitten im Grünen und nur 10 Minuten von der Frauenfelder Altstadt entfernt.

Mit dem Erwerb des idyllischen Areals im Sommer 2013 durch HIAG Immobilien wird den Bauten in den kommenden Jahren weiteres Leben eingehaucht und die Mischnutzung mit vorwiegendem Wohnraum auf dem Walzmühle-Areal in Frauenfeld weiterentwickelt.  

Sigg Produktionsstätte
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Sigg Salatsieb Stanzerei
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Tabakfabrik von Lokbeck
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Sigg Produktionsstätte
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Sigg Salatsieb Stanzerei
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Tabakfabrik von Lokbeck
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